Hintergrund

Grüner Würfel und Kesselbrink

Der Kesselbrink war von jeher ein bedeutender zentraler Platz mitten in Bielefeld. 

Von der Viehweide zur Heilquelle und zum Exerzierplatz, vom Busbahnhof und Parkplatz zur belebten Mitte – der Kesselbrink stand in Bielefeld schon immer im Fokus der Aufmerksamkeit.

 

Sein jetziges Erscheinungsbild bekam der Kesselbrink in den Jahren 2013 bis 2019 durch diverse städtische Umplanungen. Im Jahre 2013 wurde er nach einer umfangreichen Umgestaltung mit neuen Grünanlagen, einem Wasserspiel sowie einer großen Skate- und BMX-Anlage neu eröffnet. Im Sommer 2019 kam die neue Calisthenics-Anlage und ein großer Kletter- und Spielbereich dazu.

 

Sowohl als Veranstaltungsort für Großveranstaltungen, sommerliche Musikevents als auch durch den samstägigen Wochenmarkt ist der Kesselbrink bekannt und eine Bereicherung für die Stadt.

 

Durch die Eröffnung des Grünen Würfels als Café- und Restaurantbetrieb im Jahr 2014 sollte der Kesselbrink durch die Frequentierung durch eine noch breitere Öffentlichkeit als lebendiger Mittelpunkt weiter etabliert werden. Dieses Vorhaben gestaltete sich allerdings als sehr schwierig. Wechselnde Pächter zogen mit ihren Konzepten in den Grünen Würfel ein, mussten aber allesamt wieder aufgeben.

 

Gleichzeitig stand auch der Platz immer wieder in der Kritik. Alkohol- und Drogenkonsum sowie Kriminalität sind Bilder, die aktuell viele Menschen in Bielefeld mit dem Kesselbrink in Verbindung bringen.

 

Mit dem erneuten Leerstand des Grüne Würfels ab August 2019 wurde deutlich, dass ein anderes Konzept gefahren werden muss, um sowohl den Grünen Würfel als auch den Kesselbrink in positives Fahrwasser zu bringen. Es war der Beginn einer breiten Diskussion, dessen Federführung die Stadt Bielefeld übernommen hat.

 

Erste Ideen wurden gestrickt, die sowohl mit den politischen Vertretern als auch den städtischen Gremien, Trägern und Wohlfahrtsverbänden, Jugend- und Kulturinitiativen und unter Beteiligung der umliegenden Nachbarschaft diskutiert wurden.

 

Es entstand das Konzept eines neuartigen "Mitmach-Begegnungszentrums für Kinder, Jugendliche und Erwachsene", welches gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelt werden sollte.

Neu an der Idee war, keine "fertige Lösung zu organisieren", sondern potenzielle Nutzer*innen, Träger und Verbände, Nachbar*innen und weitere Akteure an der Entwicklung eines zukunftsfähigen Programms zu beteiligen. 

 

Um diesem Konzept Vorlauf für Planung und Organisation zu geben, wurde beschlossen, den Grünen Würfel zunächst mit einem Sofortprogramm zur beleben. Am 3. Dezember starteten die Falken Bielefeld mit dem vorläufigen Betrieb, der im Kern die Arbeit eines offenen Kinder- und Jugendzentrums beinhaltete. Andere Anbieter*innen, wie ein offenes Angebot des Mädchentreffs, die wöchentliche Mädchentanzgruppe (Hip Hop & Urban Dance) des Mädchentreffs, das Tanzprojekt "Connecting Family", u.a., konnten während dieser Zeit ihre Angebote im Grünen Würfel ausprobieren und rundeten das vielfältige jugendkulturelle Programm ab.

 

Basierend auf den Erfahrungen dieser Pilotphase sollte dann vom 01. April 2020 bis zunächst 30.06.2021 das neue Mitmach-Konzept umgesetzt werden. 

 

Ein im Vorfeld durchgeführtes Interessenbekundungsverfahren (28 konkrete Angebote) brachte eine Fülle von konkreten Vorschlägen und Ideen, welche von Klima-Workshops bis Urban Gardening, "Café-Auszeiten" für pflegende Angehörige bis Mitmach-Museum für  Kinder und "Schnippeldisco", sowie einem umfangreichen kulturellen und sportlichen Angebot reichten.

Der Start

Und auch hier kam es leider wieder zu einem Leerstand für den Würfel. Diesmal machte die Coronapandemie dem angestrebten Konzeptstart einen Strich durch die Rechnung, denn als die Falken zum 31. März den Grünen Würfel verließen, stand das Leben in der Stadt bereits still.

 

Am 14.07.2020 ging das lang erwartete Programm des Mitmach-Begegnungszentrum Grüner Würfel unter städtischer Regie dann an den Start. Trotz deutlich reduzierter Angebotsmöglichkeiten war die Wiedereröffnung für alle Mitwirkenden ein großer Erfolg. 

 

Die Nachfrage von interessierten Vereinen, Anbieter*innen und Gruppen war nach wie vor sehr groß. Alle gestarteten Angebote wurden gut angenommen. 29 Gruppierungen haben die Räumlichkeiten des Grünen Würfels mit unterschiedlichsten Angeboten genutzt. Die Angebote reichten vom Yoga über das Angebot einer offenen Malwerkstatt, Planungstreffen der Fridays for Future Gruppe, diversen Tanzangeboten bis zu Aktionen der Theaterwerkstatt Bielefeld. Dabei handelte es sich zum größten Teil um wöchentliche regelmäßige Angebote, aber auch um einmalige Veranstaltungen, die in der Regel am Wochenende gebucht waren. 

Wie geplant konnte montags ein Mädchen- und Frauentag etabliert werden.

 

Dieses Programm umfasste bisher einen Selbstverteidigungskurs für Mädchen und junge Frauen, angeboten vom BellZett, und ein offenes Angebot des Mädchentreffs Bielefeld. Die Angebote wurden von den Teilnehmerinnen gut angenommen in dieser Form ausdrücklich begrüßt.

 

Trotz der wegen der Corona-Schutzbestimmungen reduzierten Angebotsmöglichkeiten war der Terminkalender des Würfels von August bis Oktober ab den Nachmittagsstunden (i.d.R. 16 bis 22 Uhr) durchgängig ausgebucht. Einige größere Veranstaltungen und die erhofften Events an den Wochenenden konnten nicht stattfinden, bzw. mussten wieder abgesagt werden (z.Bsp. Allein-Gemeinsam in Kooperation mit der Musikhochschule Detmold und den Bielefelder Philharmonikern).

 

Die Einbeziehung des Kesselbrinks in das Konzept und die erhoffte positive Beeinflussung vom Grünen Würfel auf das Platzgeschehen konnte von Juli bis Mitte November erfolgreich durch den Verein Spielen mit Kindern e.V. durch den Einsatz des Spielmobils hergestellt werden. Parallel dazu wurde an zwei Tagen in der Woche ein Caféangebot auf der Terrasse des Würfels angeboten.

 

Seit dem 1. Oktober sind drei Streetworker*innen der Stadt Bielefeld auch auf dem Kesselbrink im Einsatz. Auch diese Maßnahme hat sich bereits positiv auf das Umfeld des Grünen Würfels ausgewirkt.

 

In regelmäßigen Plenumssitzungen kamen alle Anbieter*innen und die zuständigen Mitarbeiter*innen der Stadt Bielefeld sowohl analog als auch digital zusammen, um die inhaltliche Weiterentwicklung des Grünen Würfels zum "Mitmach-Begegnungszentrum" voranzutreiben. Die Zusammenarbeit beinhaltet auch die Kooperation mit dem Quartiersmanagement des Ostmannturmviertels. 

 

Am 13.10.2020 eröffnete "Keimzeit e.V. – Gemeinsam Lernen und Arbeiten" den Bistrobetrieb im Grünen Würfel. Keimzeit e.V. fördert die berufliche Inklusion, insbesondere von Menschen mit Behinderungen. Von dienstags bis samstags wurde ein Mittagstisch angeboten. Die Nachmittagsöffnung wurde unter den besonderen Bedingungen zunächst bis 17 Uhr angeboten.

 

Ab 1. November musste das Bistro Corona bedingt wieder schließen. Dem folgte die Schließung des Grünen Würfels mit seinen Angeboten 2 Wochen später.

 

Aufgrund des sehr eingeschränkten Programms und der immer wieder erforderlichen Schließungen wurde bereits im Juli 2020 beschlossen, die Projektphase zur Erprobung des Mitmach-Konzepts bis zum 31.12.2021 zu verlängern.